Glaube daran – Lebe danach – Sei bereit dafür zu Opfern

Imām an-Nawawī (631 – 676 n.H. / 1233 – 1279 n.Ch.)

Imām Muĥyi d-Dīn Abu Zakariya Yaĥya Ibn Scharaf an-Nawawī ad-Dimaschqi asch-Schāfi’ī ist bekannt unter dem Namen Imām an-Nawawī. Imām an-Nawawī wurde im Monat Muĥarram des Jahres 631 n.H. (1233 n.Ch.) in einer frommen Familie aus Nawa, einem Dorf südlich von Damaskus, geboren. Imām an-Nawawī verbrachte seine Jugend in diesem Dorf, wo er auch den heiligen Qur`an auswendig lernte. Der Vater Imām an-Nawawīs wollte, dass sein Sohn in seinem Geschäft mitarbeitete, doch aufgrund seiner außergewöhnlichen Veranlagung mochte dieser nicht. Er war zu einer vortrefflicheren Aufgabe bestimmt: Daher zeigte er keine Neigung zu Geschäften. In dieser Zeit vollendete er sein Qur`ān-Studium und schloss die erste Etappe seines Studiums ab.

Von nun an erkannte an-Nawawīs Vater die himmlische intellektuelle Begabung seines Sohnes. Um den Wissensdurst seines Sohnes zu stillen, beschloss der Vater, für eine angemessene und geziemende Erziehung seines Sohnes zu sorgen. Daher brachte er ihn nach Damaskus, welches damals eine Wiege der Gelehrsamkeit war. In Damaskus begann Imām an-Nawawī seine Studien bei dem bekannten Lehrer Kamāl Ibn Aĥmad.

Imām an-Nawawī erzählte: „Als ich 19 Jahre alt war, brachte mich mein Vater nach Damaskus, wo ich mich der Rawahiya-Madraşa anschloss. In diesem Lehrinstitut studierte ich zwei Jahre lang. Während ich die Rawahiya-Madraşa besuchte, lebte ich von der Nahrung, die in der Schule verteilt wurde. Bereits nach 18 Wochen konnte ich das Buch at-Tanbīh auswendig. Danach lernte ich noch ein paar Teile des Buches al-Muhadhab auswendig.“

Seine Beschäftigung mit seinen Studien ’Atā`u d-Dīn Ibn al-’Attar berichtete, dass Scheich an-Nawawī ihm erzählte, dass er bei seinen Lehrern jeden Tag zwölf verschiedene Fächer studierte, darunter das Studium des Buches Şaĥīĥ Muşlim, Syntax und Etymologie, Logik und Grundlagen der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh). Imām an-Nawawī erzählte weiter: „Allah, der Allmächtige, hat meine Zeit und mein Gedächtnis gesegnet, und Er befähigte mich, meine Studien zu vollenden.“

Seine Frömmigkeit:              Imām an-Nawawī war nicht nur ein vorzüglicher Gelehrter, Wissenschaftler und Literat par Excellenze, er war ebenso ein äußerst frommer Mensch, voller Hingabe im Gebet. Er folgte streng der Şunnah bzw. den Überlieferungen und Praktiken des Propheten Muhammads – möge Allah ihn loben und Heil schenken. Er pflegte nur einfache, grobe Nahrung zu essen und lehnte Einladungen zu aufwändigem Essen ab. Er trug stets Kleidung aus grobem Stoff und so lebte er bis zu seinem Lebensende. Die gebildeten Personen, die Elite der Gesellschaft und die einfachen Menschen jener Zeit respektierten Imām an-Nawawī sehr, vor allem wegen seiner Frömmigkeit, seiner Bildung und seines ausgezeichneten Charakters. Sie hielten stets nach Gelegenheit Ausschau, ihm etwas zukommen zu lassen, doch niemals nahm er etwas von irgendjemandem als Gabe oder Geschenk an, da er ein Leben in völliger Zurückgezogenheit von der Welt führte und jeglichen Pomp und jede Zurschaustellung und weltlichen Reichtum ablehnte. Der Imām lehnte jegliches Taschengeld, jede Unterstützung oder Gunst des jeweiligen Herrschers ab. Imām an-Nawawī verbrachte seine meiste Zeit mit der Verbreitung und Erweiterung seines religiösen Wissens sowie mit Gebeten und Bußübungen.

Seine Werke:             Imām an-Nawawī lebte nur etwa 45 Jahre, doch selbst in dieser kurzen Zeit schrieb er eine große Anzahl von Büchern zu unterschiedliche Themen, von denen jedes einzelne ein Meisterwerk und einen Schatz voll dauerhaften Wissens und Kenntnis darstellt. Einige seiner Werke sind: Kommentar zu „Şaĥīĥ al-Buchārī“, Kommentar zu Şaĥīĥ Muşlim „Al-Minhādj fi Scharĥ Muşlim Ibn al-Haddjadj“. Über diesen Kommentar sagte Imām an-Nawawī: „Hätte ich nicht mangelndes Durchhaltevermögen und eine geringe Anzahl von Lesern befürchtet, wäre ich ein wenig ausführlicher geworden und hätte das Werk auf mehr als 100 Bände ausgedehnt, doch aus den genannten Gründen habe ich mich an einen mittleren Umfang gehalten.“

Dieses Kommentar-Werk umfasst derzeit lediglich zwei Bände. Es ist jedoch heute das Standardwerk bzgl. des Kommentars zu Şaĥīĥ Muşlim. Außerdem „Riyadu ş-Şāliĥīn, min Kalām Şayyidi l-Murşalīn“, eine Sammlung von nahezu 2.000 ausgewählten doch zuverlässigen Überlieferungen, durch relevante Koranverse bestätigt und nach Themen geordnet, Kommentar zu „al-Muhaddab“, „Tahdhib al-Aşma` wa ş-Şifat“, „al-Arba’in“, „Scharĥ Şunnan Abi Dawud“ und weitere Werke.

Sein Tod:        Im Jahre 676 n. H. (1279 n. Chr.) gab Imām an-Nawawī alle Bücher, die er sich geliehen hatte, ihren rechtmäßigen Besitzern zurück und besuchte die Gräber seiner Lehrer und Vorfahren und betete für sie. Dabei war er so bewegt, dass er zu weinen begann. Danach verabschiedete er sich von seinen Freunden und Verehrern und begab sich in seine Heimatstadt Nawa. Einige seiner Bekannten begleiteten ihn bis vor Damaskus, um ihm Lebewohl zu sagen. Sie fragten ihn: „Wann sehen wir uns wieder?“ Der Imām sagte: „In 200 Jahren.“ Diejenigen, die dabei waren, verstanden das so, dass der Imām meinte, am Tag des Jüngsten Gerichts. Sodann begab der Imām sich nach Jerusalem (Bayt al-Maqdiş) und besuchte die Grabstätte des Propheten Ibrahim – möge Allah ihn loben und Heil schenken, dann kehrte er in seine Heimatstadt Nawa zurück. Bald nach seiner Ankunft dort erkrankte er und verstarb in der Nacht zum Mittwoch, den 14. Radjab 676 n.H. (1279 n.Ch.) noch zu Lebzeiten seines Vaters. Als die Nachricht von seinem Tode Damaskus erreichte, versanken Stadt und Umland in tiefe Trauer und die Muslime wurden von Kummer überwältigt. Der oberste Qadi (Richter) von Damaskus, ’Izz d-Din Muĥammad Ibn aş-Şaiĝ, besuchte das Grab von Imām an-Nawawī in Nawa mitsamt einer Delegation von Würdenträgern und betete für ihn.

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